Irrnisse und Wirrnisse; schöne Illusionen, bittere Enttäuschungen; ein Wonnemond der süßen Hoffnungen, ein tiefes Tal der Tränen; das Ende mit Schrecken - der Schrecken ohne Ende... wie viele Geschichten gibt es davon zu erzählen!

Mit elegischem Witz schildert Heinrich Heine, wie nah Glück und die Katastrophe in einer Liebesbeziehung beieinander liegen können, mit poetischer Strenge der französische Existenzialist Jacqes Prévert, mit erhobenem Zeigerfinger Hans Sachs, der treffliche "Schuster und Poet dazu", mit sarkastisches Altersweisheit die Skeptiker Wilhelm Busch und Eugen Roth, mit scharfem Blick für die alltägliche Ehemisere Kurt Tucholsky, mit augenzwinkernder Übertreibung der altösterreichische Humorist Roda Roda und der Menschenkenner Anton Tschechow.

Auch Vicco von Bülow alias Loriot wird mit einem kleinen Gustostückchen zu Wort kommen, ebenso Joachim Ringelnatz und Robert Gernhardt, die hochkarätigen Spötter. Der kracherte Schluß: Ludwig Thoma lässt seinen bauernschlau-grobschlächtigen Landtagsabgeordneten Josef Filser ein wahrhaft katastrophales Liebesabenteuer, mit einer "Baronäss, die wo eine Schlambn is" erleben.

Wer hier allerdings eine einfältige Text-Aneinanderreihung nach dem Motto "Nochn Gedicht" mit etwas musikalischem Beiwerk (damit sich die Zuhörer dazwischen auch ein bisschen unterhalten können) erwartet, wird sich getäuscht haben: Die Musik spielt in diesem Programm eine ebenso wichtige Rolle wie die Texte. Astor Piazzollas Grand Tango sorgt für eine feurige Ouvertüre und ein furioses Finale, Lyrisches, Schmachtendes und Hitziges wird zu hören sein, Franz Danzis Don-Giovanni-Variationen werden einen reizvollen Kontrast zu den zwischendrin eingestreuten Gedichten bilden, bei Préverts "Frühstück/Le petit déjeuner" schmiegen sich die Instrumente wie eine zweite Haut an den einmal deutschen, einmal französischen Text.

Wedekinds "Altes Lied" gibt den drei Protagonisten die Gelegenheit, sich im Terzett als Bänkelsänger hervorzutun, in Kästners "Nachtgebet eines Kammervirtuosen" aber übernimmt das Cello gar die erzählerische Hauptrolle.

Wir, die Akkordeonistin Maria Reiter, der Violoncellist Heinrich Klug und der lesende Schauspieler Wolf Euba, wünschen unsern Gästen mindestens so viel Vergnügen, wie wir selbst bei der Arbeit an diesem Programm hatten.

 

PROGRAMM

Astor Piazzolla « Le Grand Tango I »
Heinrich Heine: Wir haben viel füreinander gefühlt
Jean Marie Leclair « Sarabande »
Roda Roda: Martin, der Schlaue

Jean Marie Leclair   « Tambourin »
Anton Tschechow: Wie ich in die gesetzliche Ehe eintrat
Charles Davidoff « Chanson sans Paroles »
Kurt Tucholsky: Ein Ehepaar erzählt einen Witz
Erich Kästner: Nachtgebet eines Kammervirtuosen

Astor Piazzolla « Le Grand Tango II »
Hans Sachs: Hero und Leander
Frank Wedekind: Altes Lied


PAUSE

Jaques Prévert: Déjeuner du matin / Frühstück
Alfred Polgar: Abschied vom Freund
Ernest Bloch « Prayer » (from jewish live)
Wilhelm Busch: Die Liebe war nicht geringe

Franz Danzi: Variationen über das Duett « Reich mir die Hand, mein Leben »
aus Mozarts « Don Giovanni »
Dazwischen Texte von Joachim Ringelnatz, Eugen Roth,
Wilhelm Busch, Loriot, Robert Gernhardt.

Erich Kästner: Als einer seine Braut streichelte (Sächsisches Sonett)
Ludwig Thoma: Fon einer Baronässin, di wo ahber blos eine Schlamben is.
Astor Piazzolla « Le Grand Tango III »


Termine:
11. März 2012 20 Uhr Künstlerhaus München
21. April 2012 20 Uhr Überlingen

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